Equalizer einstellen: erst filtern, dann boosten (2026)
Dein Mix klingt voll, aber matschig? Die Höhen kratzen, der Bass wummert, und mehr EQ macht es nur schlimmer? Ein EQ ist zuerst ein Filter, kein Verstärker. Erst räumst du auf, dann färbst du.
Was macht ein EQ, und wie funktioniert er?
Genau hier trennt sich Hobby von Profi. Die meisten kennen die Regler, aber nicht die Logik dahinter. Wenn du verstehst, was ein EQ wirklich tut, hörst du auf zu raten und fängst an zu entscheiden. Los geht's!
Was ist ein Equalizer?
Ein Equalizer, kurz EQ, ist ein Werkzeug, das einzelne Frequenzbereiche deines Signals lauter oder leiser macht. EQ ist die Kurzform von Equalizer, auf Deutsch Entzerrer. Du greifst damit gezielt in den Sound ein, ohne die anderen Frequenzen anzufassen.
Jedes Signal hat ein Frequenzspektrum, von den tiefen Bässen bis zu den feinsten Höhen. Ein Teil davon ist das Fleisch des Signals, also das, was den Sound ausmacht. Der andere Teil ist Ballast, der nur Platz wegnimmt. Der EQ ist das Werkzeug, mit dem du beides trennst.
Die drei Parameter: Frequenz, Gain und Q
Jedes EQ-Band hat drei Regler, und mehr musst du nicht verstehen. Die Frequenz sagt, wo im Spektrum du arbeitest, in Hz. Der Gain sagt, wie viel du anhebst oder absenkst, in dB. Und der Q, die Filtergüte, sagt, wie breit oder schmal der Eingriff ist.
Der Q ist der Regler, den die meisten unterschätzen. Ein hoher Q wirkt schmal und chirurgisch, gut um eine einzelne fiese Resonanz rauszuschneiden. Ein niedriger Q wirkt breit und musikalisch, gut um einem ganzen Bereich sanft mehr Druck oder Brillanz zu geben. Faustregel: schmal beim Cutten, breit beim Boosten.
Dazu kommt bei Filtern die Flankensteilheit, gemessen in dB pro Oktave. Sie sagt, wie hart ein Low-Cut oder High-Cut zupackt. Eine flache Flanke nimmt sanft weg, eine steile schneidet hart ab.
Filter zuerst, Verstärker später
Das Wichtigste am EQ ist nicht das Anheben, sondern das Filtern. Die meisten denken bei EQ ans Aufpeppen, an mehr Bass, mehr Höhen. Profis denken zuerst ans Wegnehmen.
Zwei Arbeitsweisen stehen sich gegenüber. Subtraktiv heißt, du senkst ab, was zu viel ist, also Low-Cut, Resonanzen, Mittenmüll. Additiv heißt, du hebst an, was zu wenig ist, also Wärme, Präsenz, Brillanz. Die Reihenfolge ist immer dieselbe: erst subtraktiv aufräumen, dann additiv färben.
Merke
Ein EQ ist in erster Linie ein Filter und erst in zweiter Linie ein Verstärker. Wenn du zuerst aufräumst, brauchst du danach viel weniger Boost, und dein Mix bleibt sauber.
Profi Insights · Die wichtigsten Punkte aus der Praxis
Bevor es ins Detail geht, hier die Reihenfolge, in der du an einen EQ rangehst. Halte dich daran, dann verrennst du dich nicht:
- Erst filtern
Setz auf jede Spur einen Low-Cut, bevor du sonst irgendwas machst. Was unten nicht gebraucht wird, fliegt raus. - Cutten vor boosten
Nimm die störende Frequenz weg, statt eine andere danebenzulegen. Absenken klingt fast immer sauberer als anheben. - Mit dem Ohr, nicht mit den Augen
Der Analyzer zeigt dir nicht, was nervt. Die fiese Frequenz findest du nur über das Gehör. - Im Mix gegenhören
Jeder EQ-Move klingt im Solo logisch. Ob er den Song besser macht, hörst du nur im ganzen Mix.
Welche EQ-Bauarten und Filtertypen gibt es?
Bevor du loslegst, solltest du wissen, womit du arbeitest. Es gibt ein paar Bauarten von EQs und eine Handvoll Filtertypen. Wenn du die kennst, greifst du gezielt zum richtigen Werkzeug, statt blind am erstbesten Regler zu drehen.
Parametrisch, grafisch oder Shelving
Ein parametrischer EQ ist der wichtigste für dich. Bei ihm stellst du Frequenz, Gain und Q für jedes Band frei ein. Volle Kontrolle, das Standard-Werkzeug im Mix. Ein semi-parametrischer EQ ist die abgespeckte Version, oft ohne frei wählbaren Q.
Ein grafischer EQ hat feste Frequenzbänder mit Schiebereglern nebeneinander, so wie du es vom Stereo oder aus dem Live-Setup kennst. Praktisch auf der Bühne, im Mix zu grob. Ein Shelving-EQ, der Kuhschwanz, hebt oder senkt alles oberhalb oder unterhalb eines Punktes an, gut für breite Färbungen wie Wärme unten oder High-End oben.
Die Filtertypen
Jedes Band kann eine andere Form haben, und jede Form hat ihren Job. Das sind die, die du wirklich brauchst:
- High-Pass, auch Low-Cut: schneidet die Tiefen unter einem Punkt weg, lässt die Höhen durch. Dein wichtigster Filter.
- Low-Pass, auch High-Cut: schneidet die Höhen über einem Punkt weg, lässt die Tiefen durch.
- Bell, auch Peak: eine Glocke, die einen Bereich anhebt oder absenkt. Das Arbeitstier für gezielte Eingriffe.
- High-Shelf: hebt oder senkt alles oberhalb eines Punktes, für Brillanz oder weniger Schärfe.
- Low-Shelf: hebt oder senkt alles unterhalb eines Punktes, für Wärme oder weniger Bass.
- Notch: ein extrem schmaler Cut, der eine einzelne Resonanz chirurgisch rauszieht, ohne den Rest anzufassen.
Analog färbt, digital cuttet
Ein analoger EQ und ein digitaler EQ klingen unterschiedlich, und das hat einen Grund. Ein analoger EQ, ob Röhre oder Übertrager, bringt von Haus aus Obertöne mit. Schon wenn du gar nichts anhebst, färbt er das Signal leicht und macht es lebendiger. Das ist sein Charakter.
Ein digitaler EQ ist dagegen transparent. Er macht genau das, was du einstellst, und sonst nichts. Das ist seine Stärke: er cuttet chirurgisch sauber, ohne eigene Färbung. Daraus folgt eine einfache Regel, die ich täglich nutze: Zum Absenken nimmst du am liebsten einen sauberen digitalen EQ, weil er präzise wegschneidet. Zum Anheben darf es gern ein analoger oder eine Emulation sein, weil die Obertöne den Boost schöner machen.
EQ-Kurven live ausprobieren
Genug Theorie. Schraub selbst an einem EQ-Band und schau, wie sich die Kurve verändert. Stell die Frequenz ein, dreh am Gain, und vor allem: spiel mit dem Q und sieh, wie die Glocke schmal oder breit wird. Schalt zwischen Bell, Shelf und Cut um. Wenn du das einmal mit den Augen verstanden hast, hörst du es danach viel leichter.
Die EQ-Legenden, und was sie können
Ein paar Geräte haben den Sound von Jahrzehnten geprägt, und ihre Emulationen stecken heute in jeder DAW. Du musst sie nicht besitzen, aber du solltest wissen, wofür sie stehen. Dann wählst du bewusst einen Charakter, statt blind ein Preset zu nehmen.
Vier Namen, die du kennen solltest
Diese vier tauchen in jeder Plugin-Sammlung auf, und jeder hat seinen eigenen Charakter:
- Pultec EQP-1A: der Röhren-Klassiker für die Summe und für Bass. Sein berühmter Griff: dieselbe tiefe Frequenz gleichzeitig anheben und absenken. Das gibt unten Druck und Definition zugleich, sanft und musikalisch.
- Neve 1073: der Übertrager-EQ für musikalische Mitten und seidige Höhen. Klingt teuer, egal was du machst. Die erste Wahl, wenn etwas einfach gut klingen soll.
- API 550: der Class-A-EQ für Punch und Attack. Schnell, knackig, perfekt für Drums und alles, was nach vorne soll.
- SSL 4000: der Channelstrip-EQ vom großen Mischpult. Präzise, neutral, das Arbeitstier für jede einzelne Spur.
Welchen nehme ich wofür?
Ich entscheide nicht nach Marke, sondern nach Aufgabe. Brauche ich unten Druck und Wärme auf der Summe, geht der Pultec drauf. Soll eine Stimme oder eine Gitarre einfach edler klingen, nehme ich den Neve-Charakter. Müssen die Drums nach vorne knallen, kommt der API ins Spiel. Und für die saubere, neutrale Arbeit pro Spur reicht ein SSL oder ein guter digitaler EQ.
Wichtig für Einsteiger: du brauchst dafür kein teures Plugin-Bundle. Die Stock-EQs in deiner DAW sind technisch hervorragend und reichen für fast alles. Die Emulationen geben dir Charakter, das Handwerk geben sie dir nicht.
Warum alles unter 100 Hz Handwerk ist
Wenn ich in meinen Coachings einen Mix aufmache, ist der häufigste Fehler immer derselbe: zu wenig Low-Cuts. Genau hier liegt der größte Hebel für einen sauberen Mix, und kaum jemand nutzt ihn konsequent.
Das Fleisch des Signals
Jedes Signal hat einen Bereich, der wirklich zählt, und einen, der nur Ballast ist. Bei einer Männerstimme fängt das relevante Signal ungefähr bei 100 Hz an. Alles darunter hat keine Relevanz für die Stimme, das kannst du wegschneiden, ohne dass sie dünner wird.
Wenn du das nicht machst, passiert Folgendes: dieser tieffrequente Ballast wird trotzdem in die Summe transportiert. Er staut sich hinten raus auf, frisst Headroom und macht den ganzen Mix intransparent. Du hörst es nicht auf der einzelnen Spur, aber in der Summe von dreißig Spuren wird es zur matschigen Wand. Setz auf jede Spur einen Low-Cut bis dahin, wo das Fleisch anfängt, und auf einmal ist der Mix brillant.
Low-Cut pro Spur, vor dem Kompressor
Ein Low-Cut auf dem Master allein reicht nicht. Klar setzt man im Master-Kanal generell bei etwa 30 Hz ein Filter, aber das räumt nur ganz unten auf. Der Müll entsteht pro Spur und muss pro Spur raus, sonst summiert er sich längst, bevor er den Master erreicht.
Und zwar idealerweise vor dem Kompressor. Ein Kompressor reagiert auf tieffrequente Energie viel empfindlicher als auf den Rest. Lässt du den Tiefbass-Ballast vor dem Kompressor stehen, pumpt der bei jedem Bass-Anteil mit und arbeitet nervös. Filterst du davor, bekommt der Kompressor ein sauberes Signal und arbeitet ruhig. Genau deshalb kommt der Low-Cut früh in die Kette.
EQ oder Kompressor zuerst?
Diese Frage höre ich ständig, und die Antwort ist beides, in der richtigen Reihenfolge. Der reinigende EQ, also dein Low-Cut und deine Resonanz-Cuts, kommt vor den Kompressor. So bekommt der Kompressor ein aufgeräumtes Signal und greift kontrolliert. Der färbende EQ, mit dem du Wärme oder Brillanz dazugibst, kommt danach, oft hinter den Kompressor, weil der den Sound ja schon verdichtet hat. Erst putzen, dann komprimieren, dann schminken.
Merke
Der häufigste EQ-Fehler im Mix ist zu wenig Low-Cut. Wenn dir später irgendwo Druck oder Low-End fehlt, kannst du das gezielt wieder reinschieben. Aber erst hast du sauber gefiltert, was nicht ins Signal gehört.
Cutten oder boosten, und wie findest du die Frequenz?
Jetzt wird es praktisch. Die zwei Fragen, an denen sich Anfänger und Profi trennen, sind: nehme ich weg oder gebe ich dazu, und wie finde ich überhaupt die Stelle, die nervt? Beides ist Handwerk, beides kannst du lernen.
Erst wegnehmen, dann anheben
Stell dir vor, deine Snare klingt dumpf. Der Anfänger hebt die Höhen an, bis sie hell wird. Der Profi sucht erst, was die Höhen zudeckt, und nimmt es weg. Das Ergebnis ist oft dasselbe Ziel, aber der Weg über das Absenken klingt sauberer.
Der Grund ist einfach: jeder Boost macht das Signal lauter und greift stärker in die Phase ein. Jeder Cut nimmt nur weg, was stört, und lässt den Rest in Ruhe. Wenn du die zu energiereichen Mitten absenkst, statt die Höhen draufzulegen, bekommst du dieselbe Klarheit mit weniger Eingriff. Und wenn danach noch High-End fehlt, gibst du es gezielt dazu, aber eben nur das bisschen, das wirklich fehlt.
Mehrere kleine EQs schlagen einen großen
Ein Profi-Move, den kaum jemand macht: statt einen EQ brutal arbeiten zu lassen, hängst du lieber zwei oder drei in Reihe, die jeweils nur ein bisschen machen. Drei sanfte Eingriffe klingen fast immer natürlicher als ein heftiger. Viele kleine Entscheidungen ergeben am Ende einen großen Unterschied, und kein einzelner Schritt klingt nach Eingriff.
Analyzer aus, Ohr an
Jetzt kommt der wichtigste Satz dieses Kapitels: der Analyzer zeigt dir nicht, was nervt. Eine fiese Resonanz kann zehn dB unter dem Durchschnitt liegen und ist auf dem Analyzer unsichtbar, ruiniert dir aber trotzdem den Sound. Wer nach dem buntesten Ausschlag filtert, filtert fast immer am falschen Fleck.
So findest du die Stelle wirklich, mit dem Sweep:
- Nimm ein Bell-Band, dreh es schmal und hebe es kräftig an, so acht bis zehn dB.
- Fahr mit der Frequenz langsam durch das Spektrum.
- Dort, wo es richtig wehtut, scheppert oder nervt, sitzt die Problemfrequenz.
- Jetzt drehst du genau dort den Gain ins Minus und senkst ab, statt anzuheben.
Typische Verdächtige: Mulm und Mittenmüll sitzen meist zwischen 300 und 600 Hz, der boxige Mittenton oft um 500 Hz, harte Schärfe weiter oben. Aber verlass dich nicht auf die Zahl, verlass dich auf dein Ohr.
Der Bypass-Test
Woher weißt du, ob ein EQ-Move den Mix wirklich besser macht? Mit dem Bypass-Test. Hör zwei, drei Takte mit deinem Eingriff, dann schalte den EQ auf Bypass. Ohne den Eingriff muss es schlechter klingen. Tut es das nicht, brauchst du den Eingriff nicht und nimmst ihn wieder raus. Dein Bypass-Knopf ist beim EQen genauso dein bester Freund wie beim Kompressor.
EQ pro Instrument: was wo sitzt
Jetzt wird es konkret. Hier kommen die Bereiche, an denen ich bei den wichtigsten Instrumenten zuerst arbeite. Versteh das als Startpunkt für dein Ohr, nicht als Rezept, das du blind nachdrehst. Jeder Song ist anders.
Die Frequenz-Map
Bevor du an eine Spur gehst, hilft eine grobe Landkarte des Spektrums. Wo sitzt das Fundament, wo die Wärme, wo die Präsenz, wo die Brillanz? Wenn du ungefähr weißt, wo ein Instrument lebt, suchst du gezielter und triffst schneller.
Die wichtigsten Spuren
Das sind meine ersten Griffe pro Instrument. Immer mit dem Ohr gegenprüfen:
- Vocals: Low-Cut um 100 Hz. Eine schmale Absenkung gegen den Mulm um 300 Hz, eine breite Anhebung um 3 kHz für Präsenz und Durchsetzung im Mix. Mehr braucht eine gute Stimme selten, sonst klingt der Sänger nicht mehr wie er selbst.
- E-Gitarren: Low-Cut höher als bei den Vocals, damit unten Platz für Bass und Kick bleibt. Den Mittenmüll um 300 bis 500 Hz prüfen, oben für Biss arbeiten.
- Kick und Trommeln: hier selten ein Low-Cut, das Fundament brauchst du. Dafür den Mittenmüll zwischen 300 und 600 Hz raus, das ist das Kesselige und Pappige. Attack sitzt weiter oben.
- Bass: Low-Cut ganz unten gegen das Unterste, das nur Headroom frisst. Für den Anschlag und die Definition arbeitest du oft um 800 Hz, damit der Bass auch auf kleinen Boxen durchkommt.
Dynamischer EQ und Sättigung
Zwei Werkzeuge noch, die deinen EQ stärker machen. Ein dynamischer EQ greift nur dann, wenn die Frequenz wirklich auftritt, sonst lässt er das Signal in Ruhe. Perfekt für Punch: du hebst eine Frequenz nur im Moment des Transienten an, nicht die ganze Zeit. So bekommst du Schlag, ohne den Dauer-Sound aufzublasen.
Und denk an die Sättigung. EQ und Sättigung gehören zusammen. Sättigung erzeugt Obertöne, also genau die hohen Harmonischen, die du sonst per Boost mühsam suchst. Manchmal ist ein Hauch Sättigung der bessere Weg zu mehr Brillanz als ein Höhen-Boost, weil das High-End dann aus dem Signal selbst kommt und nicht draufgeklebt wirkt.
EQ auf der Summe: Wärme und Brillanz ins Verhältnis bringen
Zum Schluss der wichtigste Kanal überhaupt, die Summe. Hier hast du mit einem einzigen EQ den größten Einfluss auf den ganzen Mix. Genau hier holst du das raus, was viele Homerecording-Produktionen vermissen lassen.
Low-End und High-End als Verhältnis
Viele fragen mich, wie sie Wärme oder Tiefe in ihren Mix bekommen. Was ich festgestellt habe, auch bei vielen Coaching-Teilnehmern: es liegt fast immer am Verhältnis zwischen Low-End und High-End. Homerecording- und Proberaum-Produktionen haben oft nicht das Low-End, das sie eigentlich haben sollten, und gleichen das mit zu vielen Höhen aus.
Denk Low-End und High-End nie isoliert, sondern immer im Verhältnis. Wenn unten zu wenig kommt, wirkt oben schnell zu scharf. Bringst du das Fundament in Ordnung, beruhigen sich die Höhen von allein.
Der Pultec-Standard auf der Summe
Auf der Summe habe ich standardmäßig einen Pultec-EQ liegen. Mein Standpunkt für Tiefe und Wärme ist immer so um 60 Hz. Dazu der Low-Cut bis 100 Hz auf den einzelnen Spuren, den wir schon kennen, und das Fundament steht. Du wirst schnell merken: auf einmal ist der Mix brillant, ohne dass du oben überhaupt etwas gemacht hast.
Die Happy-Face-Kurve
Es gibt eine EQ-Kurve, die fast immer hilft, und sie sieht aus wie ein lachendes Gesicht: unten rauf, in der Mitte sanft runter, oben rauf. Ein bisschen Bass raus, dann 60 Hz plus 8.000 oder 10.000 Hz anheben, das ist eine gute Hausnummer für mehr Energie, Druck und Brillanz.
Ein Beispiel
Bass leicht zurück, Druck um 60 Hz dazu, in den unteren Mitten ein Hauch raus gegen den Mulm, oben um 8 bis 10 kHz für Brillanz. Das bringt den ganzen Mix nach vorne, ohne dass er anstrengend wird.
EQ ist Werkzeug, nicht Pflicht
Wo steht dein Mix gerade wirklich?
Lad deinen Mix hoch und der Mix-Check analysiert ihn direkt im Browser. LUFS, Dynamik, True Peak, Mono-Kompatibilität und die tonale Balance, alles in rund einer Minute. Dein Audio bleibt dabei auf deinem Rechner, nichts wird hochgeladen.
Häufige Fragen (FAQ)
Welche EQ-Einstellungen für Gesang?
Christian Benner arbeitet bei Vocals mit drei Handgriffen, jeder mit dem Ohr gegengeprüft: ein Low-Cut um 100 Hz, eine schmale Absenkung gegen den Mulm um 300 Hz und eine breite Anhebung um 3 kHz für Präsenz und Durchsetzung im Mix. Mehr braucht eine gute Stimme selten, sonst klingt der Sänger nicht mehr wie er selbst. Das sind Startpunkte, keine Vorgaben, jede Stimme und jeder Raum sind anders.
Welche Frequenz macht was bei welchem Instrument?
Die Landkarte aus dem Equalizer-1x1 von homerecording1x1.de: bei E-Gitarren sitzt der Low-Cut höher als bei den Vocals, damit unten Platz für Bass und Kick bleibt, den Mittenmüll prüfst du zwischen 300 und 500 Hz. Bei Kick und Trommeln brauchst du das Fundament, dort selten ein Low-Cut, dafür das Kesselige zwischen 300 und 600 Hz raus. Beim Bass ein Low-Cut ganz unten gegen das, was nur Headroom frisst, und für Anschlag und Definition arbeitest du oft um 800 Hz.
Wo setzt man bei Vocals den Low-Cut?
Bei einer Männerstimme fängt das relevante Signal ungefähr bei 100 Hz an, alles darunter kannst du wegschneiden, ohne dass die Stimme dünner wird. Bei höheren Stimmen liegt der Punkt etwas darüber. Dreh den Low-Cut langsam hoch, bis die Stimme anfängt dünn zu klingen, und geh dann ein Stück zurück.
Wo sitzt der Mittenmüll, den man rausnehmen sollte?
Nach Christian Benner sitzt der typische Mulm und Mittenmüll meist zwischen 300 und 600 Hz, vor allem bei Trommeln und Kesseln, der boxige Ton oft um 500 Hz. Du findest die genaue Stelle nicht über eine feste Zahl, sondern über den Sweep: ein schmales Band kräftig anheben, durchfahren, und dort, wo es nervt, absenken.
Was bringt ein Pultec-EQ auf der Summe?
Auf der Summe legt Christian Benner standardmäßig einen Pultec-Stil, der bei etwa 60 Hz Tiefe und Wärme, sanft und musikalisch. Zusammen mit einem Low-Cut bis 100 Hz auf den einzelnen Spuren steht damit das Fundament, und der Mix wirkt auf einmal brillant, ohne dass du oben etwas gemacht hast. Denk Low-End und High-End immer im Verhältnis.
Was ist der Q-Faktor beim EQ?
Der Q, die Filtergüte, bestimmt, wie breit oder schmal ein EQ-Band arbeitet. Ein hoher Q wirkt schmal und chirurgisch, gut um eine einzelne Resonanz rauszuschneiden. Ein niedriger Q wirkt breit und musikalisch, gut um einem ganzen Bereich sanft mehr Druck oder Brillanz zu geben. Faustregel: schmal beim Cutten, breit beim Boosten.
Sollte man im EQ eher cutten oder boosten?
Zuerst cutten. Nimm die zu energiereichen Frequenzen weg, statt andere danebenzulegen, denn jeder Boost macht das Signal lauter und greift stärker in die Phase ein. Digitale EQs senken sauber ab, analoge oder Emulationen heben schöner an, weil sie Obertöne mitbringen. Faustregel: subtraktiv mit dem digitalen, additiv mit dem analogen.
EQ oder Kompressor, was kommt zuerst?
Beides, in der richtigen Reihenfolge. Der reinigende EQ, also Low-Cut und Resonanz-Cuts, kommt vor den Kompressor, damit der ein sauberes Signal bekommt und ruhig arbeitet. Der färbende EQ, mit dem du Wärme oder Brillanz dazugibst, kommt danach. Erst putzen, dann komprimieren, dann schminken.
Wie benutzt man einen Equalizer richtig?
Du arbeitest in zwei Schritten. Erst subtraktiv aufräumen: ein Low-Cut auf jede Spur, dann die störenden Frequenzen per Sweep finden und absenken. Danach erst additiv färben, also gezielt Wärme oder Brillanz dazugeben. Wichtig ist die Reihenfolge: erst filtern, dann boosten. Und immer mit dem Ohr im ganzen Mix gegenhören, nie nur im Solo.
Wie funktioniert ein EQ?
Ein EQ macht einzelne Frequenzbereiche deines Signals lauter oder leiser, ohne die anderen anzufassen. Jedes Band hat drei Regler: die Frequenz sagt wo (in Hz), der Gain sagt wie viel (in dB), der Q sagt wie breit. So hebst du zum Beispiel die Präsenz einer Stimme um 3 kHz an oder schneidest mit einem Low-Cut alles unter 100 Hz weg.
Warum zeigt der Analyzer die störende Frequenz nicht?
Weil eine fiese Resonanz oft zehn dB unter dem Durchschnittspegel liegt und damit auf dem Analyzer unsichtbar ist. Sie ist nicht laut, aber sie nervt trotzdem und kämpft mit anderen Instrumenten. Wer nach dem buntesten Ausschlag filtert, filtert am falschen Fleck. Die Problemfrequenz findest du nur über das Gehör, mit dem Sweep.
Was ist der Unterschied zwischen parametrischem und grafischem EQ?
Beim parametrischen EQ stellst du Frequenz, Gain und Q für jedes Band frei ein. Volle Kontrolle, das Standard-Werkzeug im Mix. Ein grafischer EQ hat feste Frequenzbänder mit Schiebereglern nebeneinander, so wie du es vom Stereo oder aus dem Live-Setup kennst. Praktisch auf der Bühne, im Mix aber zu grob. Dazwischen liegt der semi-parametrische EQ, die abgespeckte Version, oft ohne frei wählbaren Q.
Was ist ein dynamischer EQ?
Ein dynamischer EQ greift nur dann, wenn die Frequenz wirklich auftritt, sonst lässt er das Signal in Ruhe. Das ist perfekt für Punch: du hebst eine Frequenz nur im Moment des Transienten an, nicht die ganze Zeit. So bekommst du Schlag, ohne den Dauer-Sound aufzublasen.
Was ist ein Shelving-EQ?
Ein Shelving-EQ, im Deutschen Kuhschwanz, hebt oder senkt alles oberhalb oder unterhalb eines Punktes an, statt nur ein schmales Band zu treffen. Damit machst du breite Färbungen: Wärme unten, High-End oben. Ein Low-Cut und ein High-Cut sind die radikale Variante davon, sie schneiden alles jenseits ihrer Grenze weg.
Was bedeutet EQ?
EQ ist die Abkürzung für Equalizer, auf Deutsch Entzerrer. Der Name kommt daher, dass das Werkzeug ursprünglich dazu diente, Übertragungswege zu entzerren, also Frequenzgänge geradezuziehen. Im Mix nutzt du den EQ heute, um den Sound jeder Spur zu formen.
Welche Equalizer-Einstellung ist die beste?
Die gibt es nicht. Jeder Sound, jeder Raum und jeder Song braucht etwas anderes, deshalb sind feste Presets oder Universal-Einstellungen mit Vorsicht zu genießen. Verlässlich ist nur das Vorgehen: erst Low-Cut, dann Störfrequenzen per Sweep finden und absenken, dann sparsam färben. Die richtige Einstellung findest du über dein Ohr, nicht über eine Zahl.
Brauche ich überhaupt einen EQ?
Nicht zwingend. Wenn die Aufnahme stimmt, das richtige Mikro am richtigen Platz stand und der Raum gepasst hat, brauchst du oft erstaunlich wenig EQ. Jeder EQ greift in die Phase ein, nutze ihn also so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Der beste EQ-Move ist der, den du dank guter Aufnahme gar nicht machen musst.

