Perfekte Raumakustik löst nicht die Probleme aus deinem Mix

Wenn es um Mixing geht, ist die Optimierung der Raumakustik für Homerecorder vorerst nicht wirklich wichtig. Dein Fokus sollte mehr auf dem erlernen der Werkzeuge und dem Know-How liegen, bevor du nur eine Mark in Absorber o.Ä. steckst. Der größere Hebel liegt im gewusst wie.

Man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen

Wie immer ist auch dieses Thema im passenden Kontext zu betrachten. Pauschale Aussagen sind schwierig zu treffen. Trotzdem möchte ich hier meinen Standpunkt aufzeigen, der sich in erster Linie an MIX-ANFÄNGER richtet. 

Gestandene Mix-Engineers werden das aus ihrem Elfenbeinturm schlecht nachvollziehen, geschweige denn sich an diese Situation Ihrer Karriere erinnern können.

Ich könnte jetzt auch stundenlang darüber philosophieren, wie sich Transienten in der Luft verhalten oder welche Unterschiede die natürliche Kompression im Nearfield oder Midfield hat. Das ist aber für viele Einsteiger einfach viel zu weit weg und absolut nicht Zielführend.

DISCLAIMER: Ich beziehe mich im Video und diesem Artikel ausschließlich auf den Prozess Mixing. Beim Recording ist das noch einmal eine ganz andere Hausnummer.

Mangelhafte Raumakustik als Ausrede für einen miserablen Mix

Als Coach von ambitionierten Homerecordern kommt immer wieder das Thema Raumakustik ins Spiel. Ein Grund für diesen Artikel ist, dass sich viele Homerecorder zu früh und viel zu lange mit diesem Thema aufhalten, während die vorerst größeren Probleme ganz woanders liegen.

Du verlierst kostbare Zeit und hältst dich mit Dingen auf, die dich in deiner aktuellen Situation nicht voran bringen. Lass dich nicht von Sprüchen ablenken, die du irgendwo gehört hast, sondern behalte den Fokus als Neuling auf dem Thema Handwerk. 

Physikalische Grundlagen, sämtliche Werkzeuge (EQ,Kompressor etc.) und das Know-How wie und wann du diese Werkzeuge einsetzen musst.

Solange du noch mit Presets arbeitest und nicht nachvollziehen kannst, was jeder einzelne Regler macht oder du Schwierigkeiten dabei hast, ob das Signal jetzt mit oder ohne Kompressor besser klingt, ist Raumakustik für dich unendlich weit weg.

Um künstlerische Entscheidungen treffen zu können, musst du die Technik und das Handwerk verstanden haben, um den Sound herbei zu führen, den sich deine kreative Hirnhälfte wünscht.

- Christian Benner (Audio Engineer)

Lies das, bevor du einen Cent in die akustische Behandlung deines Raumes steckst

Bist du für dich selbst an einem Punkt angekommen, an dem du merkst, dass Raumakustik interessant für dich wird, möchte ich dir auch hier eine grobe Marschrichtung mitgeben, welche die größte Hebelwirkung für dein vorankommen hat.

Das nächste Level

Optimales Abhören ist an grundlegende Bedingungen geknüpft die erfüllt werden müssen. So Banal es vielleicht für den ein oder anderen klingen mag, so haben deine Studiolautsprecher und die Aufstellung im Raum ab jetzt mit den größten Einfluss darauf, welche Entscheidungen du für deinen Mix triffst und wie du handelst. 

Lautsprecher sind keine Kopfhörer

Dein Linkes Ohr hört auf einmal auch Dinge , die vorher nur dein rechtes Ohr gehört hat. Das was du jetzt hörst ist der Raum und nicht das direkte Signal deines Mixes. Und das ist die tieferliegende Herausforderung. 

Kompatibilität kommt vor Absorber, Diffusor und Trallala

Bevor du mit deinen Gedanken jetzt schon die ersten Elemente an die Wand schraubst, ist da noch ein klitzekleiner Schritt, den ich persönlich auch erst viel zu spät gecheckt habe. Danke an Alan Moulder an dieser Stelle.

"Die Kompatibilität auf unterschiedlichen Abhören ist der Schlüssel für ausgewogene Mixe."

Dein Bestreben sollte es also sein, dass dein Mix auf vielen Abhören annähern gleich übersetzt.


Viele Profi-Mixer verzichten irgendwann wieder darauf Ihre Mixe gegen zu hören. Mit zunehmender Erfahrung kann man sehr gut einschätzen wie der Mix von der eigenen Main-Abhöre auf anderen Endgeräten klingt. Ist aber auch so ein Philosophie Ding.


Als Homerecorder auf unterschiedlichen Entgeräten zu hören ist aber eine coole Sache um Anfangs ein Gespür für Balance und Frequenzen zu entwickeln. Die Möglichkeiten sich als Homerecorder ein kleines Abhörimperium zu bauen sind auch erschwinglich geworden.

Kleiner Monitorcontroller, deine Main-Abhöre plus z.B. ein paar Auratones oder NS10 als Zweitabhöre und Omas Küchenradio mit Miniklinke LineIn. Dabei darf das Küchenradio auch irgendwo im Raum stehen. 

Und auch hier ist die Raumakustik weniger relevant, wenn du weißt wie dein Mix auf deinem kleinen Abhörsetup klingt. Dann kommt irgendwann noch Routine dazu und auch du weißt im Stillen ganz genau...

Raumakustik Mixing lernen


Der Endkonsument hat niemals eine perfekte Abhörsituation

Außer ein paar Hifi-Begeisterte Dudes wird kaum jemand in einer Alltagssituation eine perfekte Abhörumgebung haben. Darum ist der Sound auf Omas Küchenradio auch so spannend. 

Die Kids auf dem Schulhof spielen ihren Buddys die neusten Tracks über Handylautsprecher vor. Auch wenn ich persönlich den Sound auf Laptop- oder Handyspeakern nicht mit in die Beurteilung meines Mixes einfließen lasse, sieht so oftmals die Realität aus. 

Meiner Meinung nach legt der Konsument in solchen Situationen aber auch kaum Wert auf die Soundqualität.

Wenn es auf der Stereoanlage funktioniert, sehe ich hier keinen Handlungszwang es fürs Handy umzuschrauben. Auch ein Kompromiss würde ich nicht eingehen, wenn es dadurch auf der Stereoanlage an Qualität verliert.


Fazit

Die Quintessenz dieses Beitrags soll sein, dass du deinen Fokus erst auf das Handwerk und den direkten Sound des Mixes legen sollst, bevor du dich unbeirrt in das Thema Raumakustik stürzt und das Beheben von Problemen aus deinem Mix an deinem Raum fest machst. 

Ich hoffe ich konnte dir viel Zeit und Mühen ersparen.


Christian Benner

Über den Autor:

Christian ist Dipl. Audioengineer und hat die Initiative Homerecording1x1 ins Leben gerufen, um Musikern und ambitionierten Homerecordern eine deutschsprachige Plattform zu geben, die ganz klare Anleitungen zum Thema Recording, Mixing & Mastering auf den Punkt bringt.


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