Das Shure SM7B ist ein dynamisches Nieren-Studiomikrofon für rund 390 Euro. Es toleriert schlechte Räume, verträgt laute Vocals und braucht mehr Gain als die meisten günstigen Interfaces liefern. Wer das checkt, bevor er kauft, macht einen der besten Einkäufe für sein Homestudio.
Das Wichtigste vorab:
Eignet sich das SM7B für unbehandelte Räume? Ja — die dynamische Kapsel nimmt deutlich weniger Raumklang auf als ein Kondensatormikrofon.
Braucht das SM7B einen Cloud Lifter? Nur wenn dein Interface unter 60 dB Gain liefert — aktuelle Interfaces wie die Scarlett 4th Gen (69 dB) sind direkt tauglich.
SM7B oder NT1A für Rock-Vocals? Im unbehandelten Raum gewinnt das SM7B — das NT1A verstärkt Reflexionen, das SM7B reduziert sie.

Shure SM7B
Meine Bewertung: 4,3
Das Shure SM7B ist ein dynamisches Studiomikrofon mit einem warmen, druckvollen Sound, der seit Jahrzehnten in Rock-Aufnahmen und Podcast-Studios gleichermaßen funktioniert. Keine fragile Kapsel, kein Kompromiss bei lauten Performances, flexibel einsetzbar für Gesang, Gitarren-Amp oder Podcast.
Wer einmal damit aufgenommen hat, greift immer wieder dazu. Einzige Voraussetzung: ein Interface mit mindestens 60 dB Gain.
Vorteile
Nachteile
Hardfacts auf einen Blick
- Mikrofontyp: Dynamisch, Moving-Coil (Tauchspule)
- Richtcharakteristik: Niere (Kardioid)
- Frequenzgang: 50–20.000 Hz
- Mindest-Gain für saubere Aufnahme: 60 dB Preamp-Gain
- Anschluss: XLR-3 (kein USB)
- Phantomspeisung: nicht nötig, nicht empfohlen
- PAD: keiner
- Filter: Low-Cut (2 Positionen), Höhen-Boost (zuschaltbar)
- Am besten für: Rock/Metal-Vocals, Podcast, Broadcast, Homerecording ohne Akustikbehandlung
Was ist im Lieferumfang enthalten?

- Shure SM7B Mikrofon
- Großer Schaumstoff-Windschutz (A7WS): der charakteristische Schaumaufsatz, der dem SM7B seinen Wiedererkennungswert gibt
- Kleinerer Ersatz-Windschutz für engere Platzverhältnisse
- Schalterabdeckplatte: Plastikabdeckung für die Schiebeschalter am Gehäuse
- Yoke-Halterung für Mikrofonstativ oder Gelenkarm
- Gewindeanpassungen (5/8" auf 3/8" für Standard-Stativgewinde)
Nicht im Lieferumfang: XLR-Kabel, Mikrofonstativ oder Gelenkarm, Audio-Interface.
Features im Detail
Das SM7B hat zwei Schiebeschalter am Gehäuse, die den Sound direkt beeinflussen: einen Low-Cut-Filter und einen Höhen-Boost.
Bassabsenkung (Low-Cut-Filter) — 2 Positionen
Am Gehäuse des SM7B sitzt ein zweistelliger Schiebeschalter für den Hochpassfilter.

Position 1 (leichte Bassabsenkung, ca. 100 Hz): Gut, wenn du zu nah ans Mikrofon gehst oder die Vocals im Mix zu basslastig klingen, ohne die Vocals stark zu verändern. Ich nutze sie als Ausgangspunkt und justiere den Rest per EQ in der DAW.
Position 2 (starke Bassabsenkung, ca. 300 Hz): Macht die Stimme deutlich transparenter, kann aber für manche Gesangsstimmen schnell zu dünn klingen. Nur sinnvoll bei extremer Nähe (unter 10 cm) oder wenn der Raum extrem viel Low-End Gerümpel hinzufügt. In der Praxis greife ich selten dazu.
Meine Empfehlung: Fang ohne Filter an, hör dir die Aufnahme an und entscheide dann, was besser zu deiner Stimme passt.
Höhen-Boost
Der zweite Schiebeschalter hebt Frequenzen um 5 kHz an. Das macht die Stimme luftiger und direkter.
Gut für:
- Vocals, die gegen verzerrte Gitarren und laute Drums kämpfen
- Podcast-Stimmen, die zu warm und undeutlich klingen
- Sprechstimmen im Broadcast-Kontext
Nicht gut für:
- Helle oder scharfe Stimmen: da klingt es schnell schrill
- Singer-Songwriter-Material, wo Wärme und Natürlichkeit wichtiger sind als Durchsetzungskraft
Auch hier: Schalter aus, anhören, dann entscheiden.
Kein PAD, keine Phantomspeisung nötig
Das SM7B ist passiv und dynamisch. Keine Phantomspeisung, kein PAD-Schalter. Das ist normal für ein Moving-Coil-Mikrofon. Wenn du das SM7B an ein Interface anschließt, das 48V liefert: kein Problem, die Phantomspeisung schadet dem SM7B nicht. Anders als bei Bändchenmikrofonen, die durch 48V dauerhaft beschädigt werden können.

Klang und Praxis: Wo das SM7B wirklich funktioniert
Das SM7B klingt warm, direkt und druckvoll. Keine hochauflösenden Obertöne wie ein Kondensatormikrofon: stattdessen ein Sound, der sich in einen dichten Bandmix einfügt, ohne sich aufzudrängen. Für Rock und Metal ist das genau richtig. Die Vocals sitzen, ohne dass du endlos am EQ schrauben musst, um die Durchsetzungsfähigkeit zu bekommen.
Im Homerecording macht die Raumtoleranz den Unterschied. Das SM7B nimmt weniger Raumklang auf als ein Kondensatormikrofon. Spätestens nach der Kompression zahlt sich das aus, weil die Kompression leise Signalanteile nach oben zieht und mit ihnen den Raum.
Mein EQ-Ausgangspunkt für SM7B-Vocals im Bandmix:
- Low-Cut bei 80–100 Hz
- Absenken um 250–350 Hz (macht die Vocals transparenter im Mix)
- Leichte Anhebung um 5 kHz (Präsenz und Durchsetzungskraft gegen Gitarren und Drums)
- Kompression: LA2A-Style, sanft, 4:1 bis 6:1, hält die Vocals zusammen ohne die Performance zu zerstören
Das SM7B funktioniert auch als Gitarren-Amp-Mikrofon. Nah am Lautsprecher, leicht off-axis, liefert es einen warmen, druckvollen Amp-Sound ohne das Hochfrequenzgezischel, das Kondensatoren in dieser Position oft produzieren. Für Bandmusiker, die Vocals und Gitarren-Amp selbst aufnehmen: ein Mikrofon für beide Anwendungen.
Zum historischen Kontext, der immer wieder auftaucht: Michael Jackson hat einen Großteil von "Thriller" ins SM7B gesungen, zusammen mit einem starken Preamp und einem LA2A-Kompressor. Die dynamische Kapsel, der warme Sound und die Robustheit bei hohen Pegeln passen genau zum Stil dieser Aufnahmen. Dass das Mikrofon heute in vielen Homestudios steht, ändert nichts an dieser Eignung.
SM7B oder Rode NT1A: Was passt zu deinem Setup?
Das ist die Frage, die die meisten stellen. Direkte Antwort ohne Wenn und Aber:
Das NT1A ist die bessere Wahl wenn:
- Dein Raum akustisch behandelt ist
- Du Singer-Songwriter-Material aufnimmst: transparente Stimme, natürliche Luftigkeit, wenig andere Instrumente im Mix
- Du Akustikgitarren oder Piano aufnimmst und Detailtreue wichtiger ist als Raumtoleranz
- Du ein Kondensatormikrofon für weniger Geld suchst
Das SM7B ist die bessere Wahl wenn:
- Dein Raum unbehandelt ist oder nur mäßig gedämmt
- Du Rock/Metal/Band-Vocals aufnimmst, die sich gegen Gitarren und Drums behaupten müssen
- Du ein gutmütiges Mikrofon willst, das bei viel Energie in der Performance stabil klingt
- Du das gleiche Mikrofon für Vocals, Gitarren-Amp und Podcast nutzen willst

Das NT1A klingt direkter und luftiger. Das ist keine schlechte Eigenschaft, aber eine, die einen guten Raum voraussetzt. In einem weniger akustisch behandelten Homestudio nimmt ein Kondensatormikrofon alles auf: Reflexionen von kahlen Wänden, Nebengeräusche, den Lüfter des Computers. Das SM7B reduziert das deutlich.
SM7B Zubehör: Was brauchst du noch?
Neben dem Mikrofon selbst brauchst du mindestens ein Audio Interface und einen Arm. Hier kommt es auf ein paar Details an.
Passt dein Interface?
Das SM7B hat eine Empfindlichkeit von –59 dBV/Pa und braucht mindestens 60 dB sauberen Preamp-Gain. Das ist mehr als viele günstigere Audio Interfaces liefern. Hier liegt der häufigste Kauffehler.
Direkt tauglich:Die Focusrite Scarlett 4th Generation (Solo, 2i2 und größere) liefert bis zu 69 dB Gain. Das reicht für das SM7B, direkt, ohne externen Booster. Gleiches gilt für Audient iD-Serie, SSL 2/12 und andere aktuelle Interfaces der Mittelklasse.
Nicht ausreichend: Ältere Scarlett-Generationen (2nd, 3rd Gen) liefern oft nur 50–56 dB Maximal-Gain. Das SM7B-Signal wird entweder zu leise oder du hörst das Rauschen des Interface-Preamps, weil du auf Anschlag drehen musst.
Wenn dein Interface nicht mitspielt, hast du zwei Optionen: Einen Cloud Lifter CL-1 (+25 dB Boost, Phantom-gespeist) davorschalten. Oder ein Interface-Upgrade. In dem Fall empfehle ich:
Shure hat 2023 den SM7dB herausgebracht: eine Version des SM7B mit eingebautem Preamp (+28 dB intern). Der SM7dB funktioniert damit praktisch mit jedem Interface. Wer die Gain-Thematik komplett umgehen will, ist damit auf der sicheren Seite.
Brauchst du einen Podcast-Arm oder ein Stativ?
Das SM7B wiegt 766 g. Ein günstiges Tischstativ kippt oder bietet nicht genug Beweglichkeit für eine längere Session. Ich empfehle einen Gelenkarm. Der Rode PSA1 ist der Standard in dieser Kategorie und hält das Gewicht problemlos. Vom Standard Shure Broadcast Arm bin ich nicht so ein Fan.

Podcast Bundle
Das SM7B Podcast Bundle
Das SM7B Podcast Bundle kombiniert das Mikrofon mit einem Roadworx Tisch-Arm und einem 3-Meter-Cordial-XLR-Kabel. Hier bekommst du alles für den Einstieg in einer Box — kein separates Zubehör suchen, kein Kompatibilitätsproblem.

K&M 210/2
König & Meyer Mikrofonstativ
Das K&M 210/2 ist ein Galgen-Stativ aus Stahlkonstruktion — höhenverstellbar von 90 bis 160 cm, 84 cm Schwenkarm, zusammenklappbare Füße. Seit 1967 nahezu unverändert gebaut, über zwei Millionen verkaufte Einheiten. Funktioniert.
Brauchst du einen Pop-Schutz?
Nein. Das SM7B hat einen integrierten Pop-Schutz und kommt mit dem Schaumstoff-Windschutz (A7WS). Der übernimmt zuverlässig die Funktion eines externen Plopschutzes. Nur wer extrem nah (unter 10 cm) und mit sehr explosiven Plosiv-Konsonanten singt, könnte optional davon profitieren.
Häufige Fragen
Was ist im Lieferumfang des Shure SM7B enthalten?
Im Lieferumfang sind das SM7B Mikrofon, zwei Schaumstoff-Windschutzaufsätze (großer A7WS und kleinerer Ersatz-Windschutz), die Yoke-Halterung für Stativ oder Gelenkarm und Gewindeanpassungen für Standard-Stativgewinde. XLR-Kabel, Stativ oder Gelenkarm und Interface sind nicht enthalten.
Passt der Focusrite Scarlett 2i2 zum SM7B?
Ab der 4th Generation ja, direkt ohne externen Booster. Die Scarlett 4th Gen liefert bis zu 69 dB Gain. Das reicht für das SM7B. Ältere Generationen (2nd und 3rd Gen) liefern nur 50–56 dB und brauchen einen Cloud Lifter als Ergänzung.
Wie viel Gain braucht das SM7B konkret?
Mindestens 60 dB sauberer Preamp-Gain. Aktuelle Interfaces wie die Focusrite Scarlett 4th Generation liefern bis zu 69 dB und sind direkt tauglich. Ältere Modelle (2nd, 3rd Gen) liegen bei 50–56 dB und reichen nicht aus.
Brauche ich einen Pop-Schutz beim SM7B?
Nein. Das SM7B hat einen integrierten Pop-Schutz und kommt mit dem Schaumstoff-Windschutz. Einen externen Plopschutz brauchst du in der Praxis nicht.
SM7B oder SM7dB: Was ist der Unterschied?
Der SM7dB (2023) hat einen eingebauten aktiven Preamp, der +28 dB zusätzlichen Gain liefert. Damit funktioniert er mit praktisch jedem Interface. Das klassische SM7B ist passiv und braucht mehr Gain vom Interface. Der Sound beider Versionen ist sehr ähnlich. Wenn du nicht sicher bist, ob dein Interface ausreicht und keinen Cloud Lifter willst, ist der SM7dB die unkompliziertere Wahl.
Ist das SM7B für Podcast geeignet?
Ja. Das SM7B ist neben dem RE20 das meistgenutzte Broadcast-Mikrofon überhaupt. Für Homerecording-Podcasts ohne Akustikbehandlung ist es besonders sinnvoll, weil das dynamische Mikrofon Nebengeräusche deutlich besser unterdrückt als ein Kondensatormikrofon.
Was ist der größte Fehler beim SM7B-Kauf?
Das falsche Audio Interface. Wer das SM7B an ein älteres Interface mit weniger als 60 dB Gain anschließt, endet mit einem zu leisen Signal oder mit dem Rauschen des Preamps im Signal.
Weitere Informationen zum Shure SM7B:



